Nach 1945 lastete der Verbreitung nationalsozialistischer Ideen ein unüberwindbarer Makel an: Die Verbrechen des Nationalsozialismus. Um außerhalb von Kreisen, die der „Endlösung der Judenfrage“ ihre Zustimmung gaben, wieder salonfähig zu werden, wurde versucht, die Geschichte zu beschönigen oder zu leugnen. Aus dieser Motivation heraus tauchten schon in den Nachkriegsjahren erste Publikationen auf, die den Holocaust verharmlosten oder aufrechneten.
Diese sind unter dem Namen Revisionismus in die Literatur eingegangen. Dies ist allerdings eine Selbstbezeichnung der sogenannten „RevisionistInnen“. Gewählt wurde dieser Begriff in Anlehnung an die Diskussion der Geschichtswissenschaft nach dem ersten Weltkrieg. Wörtlich heißt Revision nicht mehr als Neubetrachtung einer bestimmten Tatsache. Somit versuchen die HolocaustleugnerInnen und -verharmloserInnen sich als WissenschaftlerInnen, die bloße Aufklärung betreiben, darzustellen und immer wieder eine Diskussion in der Öffentlichkeit zu entfachen.
Revisionismus wird in der Fachliteratur oft mit der sogenannten Auschwitzlüge gleichgesetzt, die für die Leugnung des Holocausts mit seinen sechs Millionen jüdischen Opfern steht. Der eigentliche rechte „Revisionismus“ setzt allerdings schon viel früher an: Alle Bemühungen Geschichte, im Sinne einer Verharmlosung, Beschönigung, Rechtfertigung oder Entkriminalisierung des Nationalsozialismus für persönliche, vor allem aber politische Zwecke umzuschreiben bzw. durch Aufrechnung alliierter Grausamkeiten die Verbrechen des Nationalsozialismus zu relativieren. (Definition des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Wiederstands)
Revisionistische Propaganda
Die Propaganda der „Revisionisten“ lässt sich vereinfacht in vier Teilbereiche einteilen. Die erste und wohl auch am leichtesten in der öffentlichen Diskussion zu entkräftende Variante ist die einfache Leugnung, die ohne wissenschaftlichen Anspruch und ohne seriös wirkende Beweise in den Raum gestellt wird.
Die Massenmorde in den Konzentrationslagern werden schlicht und einfach als nicht passiert dargestellt. Dies passiert zumeist durch zwielichtige Zeugenaussagen. Dazu gehört z.B. das Buch „Freispruch für Hitler? – 37 ungehörte Zeugen wider die Gaskammer“ von Gerd Honsik, dem Herausgeber der österreichischen rechtsextremen Zeitung „Halt“.
Die zweite Variante basiert auf Herstellung von gefälschten naturwissenschaftlichen Gutachten, wie z.B. das Leuchter-Gutachten, dass mittels Gesteinsproben die Unmöglichkeit der Existenz der Gaskammern nachweisen wollte. Das Gutachten des selbsternannten Ingieurs wurde schnell entkräftet.
Eine weitere Methode ist die Herstellung gefälschter geschichtswissenschaftlicher „Gegenbeweise“, wie etwa die von Emil Lachout verbreiteten gefälschten „Dokumente“ über die Nichtexistenz der Gaskammer im Konzentrationslager Mauthausen.
Die vierte auftretende Variante ist die selektive und manipulative Interpretation seriöser historischer Quellen, die von erfolgreichen Revisionismusautoren, wie z.B. David Irving, betrieben wird. Hier wird rechtsextreme Propaganda in eine seriös wissenschaftliche Hülle verpackt und mit tendenziös ausgewählten Zitaten bekräftigt. (Kategorien nach DÖW)
Vereinfacht können die zentralen Themen „revisionistischer“ Geschichtsfälschung auf zwei Punkte reduziert werden. Einerseits werden Kriegsschuld oder Kriegsverbrechen Nazideutschlands verharmlost oder geleugnet. Andererseits werden die an Juden und Jüdinnen begangenen Verbrechen und insbesondere die Vernichtung der europäischen Juden und Jüdinnen unter Zuhilfenahme von antisemitischen Stereotypen verharmlost oder geleugnet.
Gefahr von Rechts
Revisionismus ist nicht nur ein Mittel der extremen Rechten. Revisionismus steht viel öfter in der Mitte der Gesellschaft und macht faschistische Ideologien wieder salonfähig. Die Relativierung des Grauens wird wohl gar zu gern gesehen, aber sie macht Geschichte nicht ungeschehen. Die Leugnung des Holocaust, der industriellen Massenvernichtung von sechs Millionen europäischen Juden und Jüdinnen kommt einem erneuten Massenmord gleich. Die kahlgeschorenen Rechten die durch die Straßen laufen und „Sieg Heil“ brüllen sind nicht die wahre Bedrohung. Die stellen vielmehr jene dar, die verharmlosen und leugnen, was nicht geleugnet werden darf.
Richard Nimmerrichter alias „Staberl“ schreibt 1992 in seiner Kolumne in der „Neue Kronen Zeitung“, die umgerechnet auf die Einwohnerzahl Österreichs die verhältnismäßig meistgelesene Zeitung der Welt ist, folgendes: „Als (…) in einigen Konzentrationslagern Vergasungseinrichtungen gefunden worden sind, deren Existenz auch mit handfesten Beweisen nachgewiesen werden konnte, ist es in den Zeitungen der Welt auch bald zur vereinfachenden journalistischen Manier geworden, pauschal von der „Vergasung“ der jüdischen Opfer Hitlers zu schreiben. Seither haben so manche Fachleute nachweisen können, dass das Töten so vieler Menschen mit Gas rein technisch eine Unmöglichkeit gewesen wäre. Und für manche alte Nazis war es von da an nur ein kleiner Schritt zu der unsinnigen Behauptung, daß die Nazis doch überhaupt keine Juden umgebracht hätten. Die Wahrheit ist wohl einfach. Nur verhältnismäßig wenige der jüdischen Opfer sind vergast worden. Die anderen sind verhungert oder erschlagen worden; durch Fleckfieber, Ruhr und Typhus umgekommen, weil man ihnen ärztliche Hilfe verweigert hat; erfroren oder an Entkräftung ließ.“
Was sich anfänglich sehr harmlos liest, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Holocaustleugnung. Es scheint offen, ob die Vergasungseinrichtungen in Betrieb waren. Natürlich sind auch Menschen gestorben, dass war aber im Krieg gang und gäbe und gab es auf allen Seiten. Dass es sich hier aber um einen Völkermord handelte, wird nicht angedacht. Das Gericht, das diesen Text nicht nach dem Wiederbetätigungsgesetz verurteilt hat, muss sehr bemüht gewesen sein die Leugnung bzw. Verharmlosung zu überlesen. Dass dies in der größten Tageszeitung dieses Landes möglich ist, zeigt dass Revisionismus nicht im Schatten der Gesellschaft steht.
Revisionismus hat nichts mit freier Meinungsäußerung und wissenschaftlicher Neubetrachtung von geschichtlichen Begebenheiten zu tun. Es ist der Versuch, den deutschen Faschismus in ein besseres Licht zu rücken und auch für intellektuelle Kreise wieder attraktiv zu machen.
Über den Umgang mit Revisionismus
Das Ziel der RevisionistInnen ist ein breiter öffentlicher Diskurs in ihrem Sinne. Sie pochen auf Meinungsfreiheit und auf demokratische Rechte, um ein System zu verharmlosen, dass diese Freiheiten nie zugelassen hat. Der Umgang mit Faschismus und der Revision dessen ist keine Frage, die in diesen Kategorien diskutiert werden sollte. Eine Auseinandersetzung der seriösen Wissenschaft mit Revisionismus ist nötig, aber nur um die breitenwirksamen Lügen auszuschalten. Die Diskussion soll nicht dort geführt werden, wo die Rechten sie gerne hätten, sondern auf das reduziert werden was sie letztendlich ist. Faschismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen.












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