Die FPÖ und ihre Rekrutierungsbasis

Als Kaderschmiede für die FPÖ sind in erster Linie Burschenschaften und die Jugendorganisation Ring Freiheitliche Jugend (RFJ) zu nennen. Beide Kaderschulen stellen eine wichtige Kontaktstelle zwischen der FPÖ und dem organisierten Rechtsextremismus dar.

Burschenschaften – der akademische Rechtsextremismus

Es waren vor allem Burschenschafter, die Haider 1986 an die Parteiführung der FPÖ hievten. Schlagende Verbindungen bzw. „völkische Korporationen“ bilden seit jeher eine Rekrutierungsbasis der FPÖ. Von den 19 männlichen FPÖ-Abgeordneten der letzten Legislaturperiode sind 15 in Studentenverbindungen politisch sozialisiert worden.

Zur politischen Betätigung vieler deutschnationaler Burschenschaften stellte das Innenministerium 1999 in einem Bericht fest, „dass von mehreren österreichischen Burschenschaften ein unterschwelliger und verklausulierter Rechtsextremismus ausginge. Die Agitation dieser Studentenverbindungen lasse auch den Versuch erkennen, auf Umwegen eine gewisse Akzeptanz für nationalsozialistisches Gedankengut zu schaffen.“ Auf Drängen der FPÖ entschloss sich die schwarz-blaue Bundesregierung, die Aktivitäten der Burschenschaften nicht mehr länger zu dokumentieren.

Den Mittelpunkt im Selbstverständnis von Burschenschaften, die sich erstmals 1817 in Deutschland gründeten, bildet ein völkisches Menschen- und Weltbild. Die damaligen Burschenschaften setzten der Idee der Nation als politische Willensgemeinschaft das „Volk“ als natürliche Abstammungsgemeinschaft entgegen. Schon damals definierten die Korporierten ihr „Deutsches Volk“ in Abgrenzung zum Judentum. Ende des 19. Jahrhunderts wurde in den im Dachverband der Deutschen Burschenschaften in Österreich der „Arierparagraph“ eingeführt, der Juden die aufgrund ihrer „ererbten Rasseeigenschaften“ ausschloss (dieser Paragraph wurde auch nach 1945 verteidigt). Schon lange vor dem Nationalsozialismus lehnten die Burschenschaften die Gleichsetzung von Staats- und Volksgrenzen ab. Diese Anschauung lebt bis heute in vielen Burschenschaften weiter. 1938 lösten sich die österreichischen Burschenschaften feierlich auf und gliederten sich als Kameradschaften in den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund ein.

Burschenschafter sehen heute den 8. Mai 1945 als „Tag der totalen Niederlage“. Viele NS-Verbrecher werden in den Burschenschaften als „Alte Herren“ in Ehren gehalten. 1987 schlug der Dachverband Deutsche Burschenschaften in Österreich sogar Rudolf Hess zum Friedensnobelpreis vor. Als rechtsextreme Burschenschaft gilt vor allem die aB! Olympia, wegen der 1996, als sie den Vorsitz des Dachverbandes übernahm, gemäßigtere Burschenschaften aus diesem austraten. Prominenter “Alter Herr” der Olympia ist Martin Graf, der von der FPÖ für den Posten als Dritter Nationalratspräsident vorgeschlagen wurde. Man kann also nicht alle Burschenschaften als rechtsextrem ansehen, sondern muss diese nach ihren Publikationen und Mitgliedern beurteilen.

Burschenschaften haben heutzutage nicht mehr dieselbe Bedeutung wie in ihrer Hochblüte, auch für die FPÖ spielen andere Kaderschmieden wie der Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) nunmehr eine größere Rolle. FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache ging durch beide „Schulen“ – er war RFJ-Bundesobmann und ist „Alter Herr“ der schlagenden pennalen Burschenschaft Vandalia.

Der Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) – Rechtsextreme vor der Tür der FPÖ

Die Jugendorganisation der FPÖ erlebte 2003 einen gehörigen Rechtsruck als im Sommer rechtsextreme Kräfte rund um den Wiener Gemeinderat Johann Gudenus die Führung übernahmen. Dieser Rechtsruck wurde auch in der deutschen rechtsextremen Szene wohlwollend aufgenommen: im Organ der NPD „Deutsche Stimme“ wurde die Übernahme von Gudenus als Sieg der „Vertreter des authentisch nationalen Flügels“ begrüßt.

Der Rechtsruck lässt sich vor allem in zahlreichen Wortmeldungen von RFJ-Funktionären beobachten. RFJ-Obmann Johann Gudenus sprach 2004 etwa von einer einsetzenden „Umvolkung“ – ein Begriff, der von den Nazis geprägt wurde. Der steirische RFJ-Obmann Michael Winter berichtete im RFJ-Blatt tangente (1/07), wie „sich Türken in Hessen an Tieren, in Graz aber an Mädchen vergehen“. Als Schlussfolgerung legte Winter dem Grazer Bürgermeister nahe, „als Sofortmaßnahme gegen muslimisch-türkische Vergewaltigungen eine Schafherde im Stadtpark grasen“ zu lassen.

An einigen Funktionären des RFJ lässt sich auch eine Verbindung der Jung-Freiheitlichen zur neonazistischen Szene feststellen. Vor allem rund um die Aberkennung des Ehrengrabes für den Nazi-Fliegerhelden Walter Nowotny wurde diese deutlich. Nachdem eine Kundgebung zu Ehren Nowotnys von den Behörden aufgrund ihres neonazistischen Charakters untersagt wurde, übernahm der RFJ die Organisation und Mobilisierung. Zahlreiche Burschenschafter, FPÖ-Politiker und Anhänger neonazistischer Organisationen folgten dem RFJ-Aufruf, für den sich vor allem der RFJ-Funktionär Clemens Otten verantwortlich zeichnete. Dieser trat noch 2002 als Verantwortlicher für eine neonazistische Kundgebung am Wiener Heldenplatz in Erscheinung, ehe er ein Jahr später als RFJ-Bundesvorstandsmitglied und Autor der tangente im FPÖ-Umfeld auftauchte.

Anfang 2007 wurde eine weitere personelle Überschneidung zwischen RFJ und der Neonazi-Szene publik: der damalige stellvertretende RFJ-Bezirksobmann Andreas Retschitzegger veröffentlichte Fotos, die ihn als Teilnehmer bei Veranstaltungen des neonazistischen Bundes freier Jugend (BFJ) zeigten. Auf diese vor allem in Oberösterreich tätige „Organisation“ wird im Folgenden noch näher eingegangen.

1 kommentar
Die FPÖ und der Islam « Kruppzeuch | 23.8.10

[...] Sohn Johann Gudenus war bis 2009 Führer des RFJ, der FPÖ-Jugendorganisation: Die Jugendorganisation der FPÖ erlebte 2003 einen gehörigen [...]

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